Spaniens Krise wird zu Ibizas Krise

Jetzt kommts ganz dick für Spaniens Wirtschaft. Der Immobilienboom der letzten Jahre platzt als große Seifenblase (E-ibiza berichtete am 05. April 2007, 15. Mai 2007, 06. Juni 2008 ). Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtet heute über den Kollaps, als ob Spaniens Ökonomie vor dem Untergang steht. Von EU Förderungsmitteln befeuert wurde in den letzten 10 Jahren in Spanien gebaut als ob es kein morgen gibt. Die Preise stiegen um bis zu 500 Prozent. Man spielte Monopoly und spekulierte in großen Stil mit Wohnungen, deren Finanzierung auf faulen Krediten beruhte. Die Kreditkrise und die schwindende Nachfrage sorgen nun für massive Verluste und einem wirtschaftlichen Desaster. Über 400.000 Spanier meldeten sich in den letzten 12 Monaten arbeitslos, ein Drittel davon aus der Baubranche. Zusätzlich steigen die Unternehmenspleiten in ungekanntem Ausmaß an.

Auch auf Ibiza wird die Lage immer kritischer. Es ist weniger die abflauende Bauwirtschaft die auf der Insel die Geschäfte bedroht, sondern die parallel stattfindende Misere im Tourismus. Die Bauwirtschaft war in den vergangenen Jahren noch vor dem Tourismus der Hauptwirtschaftsmotor auf den Balearen. Von der damals regierenden PP gefördert wurde Ibiza immer mehr bebaut, ohne Rücksicht auf Umwelt und Bedarf. Dieser Motor kam in diesem Jahr gewaltig ins stocken. Die Immobilienverkäufe sind im freien Fall und die Preise sinken.
Nun ist auch noch der Tourismus in diesem Jahr stark rückläufig. Mit rund 71% Hotelbelegung war der Juni der Schlechteste seit dem Jahr 2000. Die Zahl der Deutschen Touristen ging um sage und schreibe um 10% zurück, die der Briten um 5%. Noch schlimmer trifft es die Besitzer von Geschäften und Gastronomie. Hier sind die Ausfälle noch höher, rund 30%. Sprich, die Touristen die da sind konsumieren deutlich weniger.
Was aber oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass das große Wachstum des Tourismus auf Ibiza vor allem von den Spaniern selbst getragen wurde. Längst sind sie die zahlenmäßig größte Gästegruppe noch vor Briten, Deutschen und Italienern. In den Boomzeiten investierten viele Festlandspanier auf Ibiza und kauften Appartments und Häuser. Sie besuchten die Insel gleich mehrfach im Jahr für kurze Aufenthalte, z.B. über ein verlängertes Wochenende. Nun bleiben die krisengebeutelten Spanier auch noch aus bzw. können weniger für ihre Reisen ausgeben.
Die Briten hatten ihre Pfundabwertung gegenüber dem Euro, der eine Reise nach Ibiza teurer gemacht hat. Die Deutschen sind sehr qualitäts- und preisbewußt und finden solange sie keine echten Ibiza Fans sind anderswo billigere Angebote mit besseren Hotels und Services. Tja und die Spanier können sich Ibiza derzeit einfach nicht mehr leisten.

Man muss natürlich sagen, dass es die Balearen und Ibiza im Vergleich zum Rest Spaniens weit weniger schlimm trifft. Doch gerade der Tourismus ist eine Dientleistung ander zu allererst gespart wird, wenns hart auf hart kommt. Derzeit befindet sich einiges in Bewegung auf Ibiza und es werden wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen. Man kann nur hoffen, das Ibizas Verantwortliche weise entscheiden.

Denn es ist nicht nur die allgemeine Situation rund um Wirtschaftkrisen, Pfundaufwertung und Benzinpreiserhöhung, die Ibizas Tourismus zu schaffen machen. Es ist vor allem der Raubbau an den Hauptaktiva der Insel. Die Umwelt wird seit Jahren vor allem durch die zügellose Bebauung mit Autobahnen und Urbanisationen (die kein Mensch braucht) zerstört. Daneben ist die Hotel und Servicequalität oft bestenfalls durchschnittlich, die Preise jedoch weit überzogen. Der Mythos den Ibiza bei jungen Partygängern inne hat wird durch die Gängelung der Szene und die neuen Öffnungszeiten der Clubs langsam aufgelöst. Ohne die Clubs besitzt Ibiza für viele Touristen nicht mehr viel was es von anderen Destinationen unterscheidet. Die Folgen dieser Entwicklung beginnen jetzt und heute….
Für Fans wird Ibiza natürlich immer etwas besonderes bleiben, nur muss die Entwicklung sehr kritisch beobachtet werden. Vieles was getan wird geht in die richtige Richtung. Allerdings wird der angestrebte “Qualitätstourismus” nicht die Rettung sein. Kongresstouristen (in die die Regierung große Hoffnung setzt) werden die Partyszene nicht ersetzen können, da Kongress überall und beliebig abgehalten werden können. Es muss Platz für alle geben auf Ibiza, bezahlbar und zu einem fairen Preis-Leistungsverhältnis, dann wird man auch Wirtschaftskrisen überstehen.

Ein weiterer super Artikel in der aktuellen Ibiza Heute http://www.ibiza-heute.de/magazin.php?issue_id=200807&section_id=6&id=457
Der Spiegel zu Spaniens Wirtschaft

Quelle http://media.epi.es/www.diariodeibiza.es/media/suplementos/2008-07-24_SUP_2008-07-17_21_25_16_ale.pdf

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Autor: Redaktion (JMB)
veröffentlicht am 18. Juli 2008

Dieser Beitrag wurde am 18. Juli 2008 um 16:33 in der Kategorie Allgemein, Die Insel aktuell, Meinung, Politik, Tellerrand Ibiza abgelegt. Die Antworten zu diesem Eintrag können mit dem Kommentar-Feed (RSS 2.0) verfolgt werden. Die Kommentar- und die Pingfunktion sind deaktiviert.



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